Modul 02 von 08·5 Lektionen·ca. 20 Minuten

So redest du mit ihm.

Derselbe Wunsch, zweimal formuliert: Einmal kommt Mittelmaß zurück, einmal ein fertiges Ergebnis. Der Unterschied liegt nicht am Mitarbeiter, er liegt am Auftrag. Dieses Modul zeigt dir die drei Zutaten, mit denen fast jeder Auftrag beim ersten Anlauf sitzt.

01 · Was du hier lernen wirst

Nach diesem Modul …

02 · Die Lektionen dieses Moduls
2.1Ein Mitarbeiter, kein Suchfeld
2.2Die drei Zutaten: Ziel · Kontext · Rahmen
2.3Sprachnachrichten: Arbeiten aus dem Auto
2.4Rückfragen sind ein gutes Zeichen
2.5Feedback, das dauerhaft bleibt
03 · Lektion 2.1

Ein Mitarbeiter, kein Suchfeld.

Die meisten Menschen haben den Umgang mit Computern in Suchfeldern gelernt: kurze Stichworte, keine ganzen Sätze, bloß nichts Überflüssiges. Bei deinem KI-Mitarbeiter ist es genau umgekehrt. Er ist kein Suchfeld, das Stichworte braucht, er ist ein Mitarbeiter, der verstehen will, was du wirklich erreichen willst.

Die wichtigste Umstellung: Sag ihm das Ziel, nicht den Weg. Du musst nicht wissen, mit welchem Programm man ein Angebots-PDF baut oder wie man eine Wettbewerbsanalyse anlegt, das ist sein Handwerk. Deines ist, zu sagen, wofür es gut sein soll.

Nein„angebot pdf“ und er muss sich durchfragen: für wen, worum geht es, was ist die Grundlage?
Ja„Frau Sommer will ein Angebot für die Badsanierung, die wir Dienstag besichtigt haben. Meine Notizen liegen im Ordner Besichtigungen. Kalkulier wie beim Projekt Weber, aber mit 10 % Aufschlag, die wollen Premium-Armaturen.“
Er„Verstanden. Ich baue das Angebot auf Basis deiner Notizen und der Weber-Kalkulation plus 10 %, Premium-Armaturen einzeln ausgewiesen. Entwurf kommt in etwa 30 Minuten zur Freigabe.“

Beides funktioniert, im ersten Fall fragt er sich einfach durch. Aber im zweiten Fall bekommst du das fertige Ergebnis ohne eine einzige Rückfrage. Bei zwanzig Aufträgen pro Woche ist das der Unterschied zwischen einem Assistenten und einem Verhör.

04 · Lektion 2.2

Die drei Zutaten: Ziel · Kontext · Rahmen.

Du musst dir keine Formeln merken. Ein guter Auftrag beantwortet drei Fragen, dieselben, die auch ein menschlicher Mitarbeiter stellen würde.

Nicht jeder Auftrag braucht alle drei in voller Länge. Aber wenn ein Ergebnis dich enttäuscht, fehlt fast immer eine der drei Zutaten, meistens der Kontext.

Nein„Schreib einen Newsletter.“ Er muss drei Dinge klären: an wen, zu welchem Anlass, was soll beworben werden?
Ja„Schreib den Oktober-Newsletter an unsere Bestandskunden. Thema: die neuen Wartungsverträge. Kernbotschaft: Wer bis 31.10. bucht, bekommt den Wintercheck kostenlos. Ton wie immer, persönlich, kein Verkaufsdruck. Maximal 300 Wörter, am Ende ein Knopf: Termin sichern.“
Er„Entwurf kommt in 15 Minuten. Ich nehme die Wartungsvertrags-Details aus dem Preisblatt von September, falls sich etwas geändert hat, sag kurz Bescheid.“
Der Vergleichs-Trick

Der schnellste Kontext ist ein Beispiel. „Mach es wie letztes Mal“, „im Stil unserer Website“, „so wie die Mail an Herrn Krause, nur freundlicher“: Dein Mitarbeiter hat Zugriff auf deine bisherige Arbeit und versteht solche Verweise sofort.

05 · Lektion 2.3

Sprachnachrichten: Arbeiten aus dem Auto.

Der unterschätzteste Kanal überhaupt. Eine Sprachnachricht ist fast immer der bessere Auftrag als eine getippte Nachricht, weil du beim Sprechen automatisch Kontext mitlieferst, den du beim Tippen weglassen würdest. Rede einfach, wie dir der Schnabel gewachsen ist. Denk laut, spring zwischen Themen, korrigiere dich mittendrin, er sortiert das.

DuEine Sprachnachricht, 1:47 Minuten, unterwegs diktiert, mit drei Themen durcheinander.
Er„Habe alles notiert, das waren drei Aufträge: 1. Angebot für Familie Sommer überarbeiten, Standard-Armaturen statt Premium, neuer Preis. 2. Herrn Krause absagen, freundlich, mit Verweis auf Kapazität ab März. 3. Für die Messe eine A5-Karte entwerfen. Ich fange mit dem Angebot an, das ist zeitkritisch.“

So wird Totzeit zu Arbeitszeit: die Fahrt zum Termin, der Weg über die Baustelle, die zehn Minuten vor dem nächsten Gespräch. Bei Ankunft ist es erledigt oder liegt zur Freigabe bereit.

06 · Lektion 2.4

Rückfragen sind ein gutes Zeichen.

Wenn dein Mitarbeiter nachfragt, ist das kein Zeichen von Schwäche, es ist das Zeichen, dass er lieber einmal fragt als zweimal falsch arbeitet. Genau diese Eigenschaft würdest du dir von jedem Menschen im Team wünschen.

Und wenn er etwas nicht kann?

Dann sagt er es und schlägt vor, wie es trotzdem gelöst werden kann. Ein Mitarbeiter, der Grenzen benennt, ist verlässlicher als einer, der alles verspricht. Was er dafür braucht, etwa einen Zugang zu einem deiner Programme, fragt er konkret an.

07 · Lektion 2.5

Feedback, das ihn dauerhaft besser macht.

Hier trennt sich der KI-Mitarbeiter endgültig vom KI-Tool: Korrekturen sind bei ihm keine Einzelfälle, sie sind Einarbeitung. Was du einmal richtigstellst, gilt ab dann. Dafür gibt es zwei Arten von Feedback.

Das Zauberwort ist „Merk dir“. Immer wenn du bei einer Korrektur denkst, das gilt eigentlich grundsätzlich, mach eine Regel daraus. Nach zwei, drei Wochen dieser Praxis arbeitest du mit einem Mitarbeiter, der deine Eigenheiten besser kennt als mancher langjährige Kollege.

Du„Der Entwurf ist gut, aber: Wir schreiben Kunden nie ‚Hallo Herr Weber‘, immer ‚Sehr geehrter Herr Weber‘ beim Erstkontakt. Merk dir das.“
Er„Notiert als feste Regel: Erstkontakt immer ‚Sehr geehrte/r‘, bei Bestandskunden bleibe ich beim bisherigen Ton des jeweiligen Kontakts. Den Entwurf habe ich angepasst.“
Lob ihn ruhig auch

„Genau so, das ist der richtige Ton“ ist genauso wertvolles Feedback wie eine Korrektur. Er weiß dann, dass diese Fassung der Maßstab ist, und hält sie fest.

08 · Praxisübung, 10 Minuten

Ein Auftrag, drei Zutaten.

Nimm eine echte Aufgabe, die diese Woche ansteht, und formuliere sie einmal mit allen drei Zutaten. Die Vorlage hilft beim Start, danach schickst du zusätzlich eine Regel hinterher, die ab jetzt immer gelten soll.

01„Ich brauche: [was am Ende da sein soll und wofür es gut sein soll]. Zum Hintergrund: [für wen, worum geht es, worauf kannst du aufbauen]. Wichtig: [bis wann · wie lang · welcher Ton · was nicht passieren darf].“
02„Merk dir ab jetzt: [eine Regel, die für deine Firma immer gilt, z. B.: Wir nennen im ersten Angebot nie Endpreise ohne Besichtigung.]“

Vergleich das Ergebnis mit dem, was du sonst bekommen hättest. Ab jetzt weißt du, woran es lag.

09 · Checkliste Modul 2

Abgehakt, wenn du das hast.

10 · Häufige Fragen

Was Kunden hier zuerst fragen.

Muss ich jetzt bei jeder Kleinigkeit einen Roman schreiben? Nein. „Antworte Herrn Weber, dass Donnerstag passt“ ist ein vollständiger Auftrag. Die drei Zutaten brauchst du nur, wenn das Ergebnis Spielraum hat: Texte, Angebote, Recherchen, Gestaltung. Je wichtiger dir das Ergebnis, desto mehr Kontext lohnt sich.

Versteht er auch Dialekt, Tippfehler und halbe Sätze? Ja. Schreib und sprich, wie du es immer tust. Er versteht, was gemeint ist, und fragt nach, wenn etwas unklar bleibt. Du musst dich nicht an ihn anpassen, er passt sich an dich an.

Merkt er sich Regeln wirklich dauerhaft? Ja. Alles, was du mit „Merk dir“ festlegst, gilt, bis du es änderst. Du kannst jederzeit fragen: „Welche Regeln hast du dir von mir gemerkt?“ Dann bekommst du die vollständige Liste und kannst aufräumen.

Was, wenn zwei Leute widersprüchliche Regeln geben? Dann sagt er es, statt still zu raten, und fragt, welche Regel gelten soll. Beim Onboarding legen wir fest, wessen Wort im Zweifel zählt.

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